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20. Juni 2026

Patrick Bergmann

Disney+ verliert Dolby Vision erneut: Diesmal trifft es elf EU-Länder gleichzeitig

Schon einmal mussten Disney+-Kunden in Europa ohne Dolby Vision auskommen – Anfang Februar verschwand das HDR-Format zusammen mit den 3D-Inhalten zunächst nur in Deutschland, kehrte im März aber wieder zurück. Jetzt ist Schluss damit, und dieses Mal trifft es nicht nur ein Land. Grund ist die Eskalation des Patentstreits. 

Patentstreitigkeiten eskalieren

Hintergrund ist der seit Monaten schwelende Patentstreit zwischen Disney und dem US-Lizenzgeber InterDigital. Wie InterDigital in einer aktuellen Pressemitteilung bekanntgab, hat die Mannheimer Lokalkammer des Einheitlichen Patentgerichts (UPC) entschieden, dass Disney ein Patent verletzt, das bestimmte Videokodierungstechniken im Umfeld von HEVC betrifft – und die Gültigkeit dieses Patents zugleich bestätigt. Berichten zufolge handelt es sich um das Patent EP 2465265. Anders als bei der Münchner Entscheidung im November, die sich noch auf Deutschland beschränkte, entfaltet das Mannheimer Urteil seine Wirkung als erstes UPC-Verfahren gegen Disney gleich unionsweit: Die einstweilige Verfügung gilt parallel in elf EU-Staaten.

Warum die Reichweite dieses Mal anders ist

Genau das macht den Unterschied zur ersten Sperre im Februar aus. Das UPC wurde 2023 gegründet, um genau diese Zersplitterung zu vermeiden – statt einzelner nationaler Verfahren reicht künftig ein Urteil, das quer durch die Union gilt. Für Cupertinos Konkurrenten aus Burbank ist das ein empfindlicher Dämpfer, zumal InterDigital parallel auch in Deutschland und Brasilien bereits Verfügungen wegen HDR-Technik, dem Überlagern mehrerer Videostreams sowie weiterer Kompressionsverfahren rund um HEVC und AVC erstritten hat. Amazon hat sich unterdessen vergangene Woche mit InterDigital geeinigt und darf Dolby Vision auf Prime Video deshalb weiter anbieten – ein Weg, den offenbar auch Disney in absehbarer Zeit gehen dürfte, möchte man die Bildqualität dauerhaft zurückbekommen.

Was Abonnenten jetzt konkret merken

Spürbar wird die Entscheidung bereits jetzt: Nutzerberichten zufolge sind Dolby Vision und 3D-Inhalte in den betroffenen Ländern verschwunden, während HDR10 und reguläres 4K weiterhin verfügbar bleiben. Welche elf Länder konkret betroffen sind, hat InterDigital nicht offiziell benannt, nach bisherigen Berichten zählen aber unter anderem Deutschland, Frankreich, Italien, Finnland und Dänemark dazu. Am Abo-Preis ändert sich derweil nichts – wer Disney+ Premium bucht, zahlt weiterhin den vollen Betrag, bekommt aktuell aber nicht die volle Bildqualität geboten. Disney kann gegen das Urteil noch vor der Berufungsinstanz des UPC in Luxemburg vorgehen, ein Aufschub der Verfügung ist damit aber nicht automatisch verbunden – Dolby Vision dürfte also vorerst Geschichte bleiben.

Unsere Einschätzung

Aus unserer Sicht ist das extrem ärgerlich, und zwar aus zwei Gründen. Einerseits hat Disney+ die Preise in den vergangenen Jahren konstant immer weiter angezogen, ohne jedoch den Mehrwert im Content zu rechtfertigen. Andererseits ist Disney+ speziell hier extrem intransparent in der Kommunikation. Zudem gilt es festzuhalten, dass Kunden proaktiv den Kundendienst kontaktieren müssen, um eine anteilige Rückerstattung zu beantragen.

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